Kompetenzen und Werte – Teil 1

In den letzten Tagen bin ich im Rahmen der Erstellung eines Kompetenzmodells gefragt worden: „Wo finden wir unsere Unternehmenswerte. Es wäre uns wichtig, dass unsere MitarbeiterInnen auch die Kompetenzen besitzen, welche zu unseren Werten passen.

Man ist ja auf vieles gefasst, wenn man in einem Workshop mit Kunden intensiv arbeitet. Aber Führungskräfte die eine solche oder ähnliche Frage stellen? Im ersten Moment dachte ich, es ist eine rhetorische Frage und als Scherz gedacht. Aber nein, es war ernst gemeint. Nun gut, die Frage kam vom Inhaber des Unternehmens!

Wann wurde Ihnen das letzte Mail eine solche Frage gestellt?

Aber WERTE?
Ich war erstaunt und gleichzeitig froh. Mit Menschen arbeiten zu dürfen, denen Werte wichtig sind. Ohne das es nur um die notwendigen „Compliance-Regeln“ geht. Die gibt es in vielen Unternehmen nur um sich rechtlich abzusichern.
Kennen Sie doch, die MitarbeiterInnen müssen ein WBT (Web based training) durcharbeiten. Die Fragen richtig beantworten und erhalten dann ein Zertifikat. Und die Firma ist abgesichert, falls dann doch mal was schief geht.

Aber diese Frage ging viel weiter. Hier wollte man von Anfang an die Unternehmenswerte im Kompetenzmodell verankert wissen. Oder zumindest in Einklang bringen. Keine Alibi-Funktion, sondern ein zentrales Anliegen!

Wie können nun die WERTE eines Unternehmens im Erstellungsprozess eines Kompetenzmodells wirksam berücksichtigt werden?

Ich werde hier versuchen beides „unter einen Hut“ zu bekommen.

Erst einmal werde ich die Begriffe klären. Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es immer wieder die gleichen Begriffe für ganz unterschiedliche Inhalte.

  1. Was sind Kompetenzen?
    Es gibt viele Definitionen hierzu, welche sich aus meiner Sicht inhaltlich nicht sehr unterscheiden. Hier ein paar Beispiele:

    • „Unter Kompetenz werden alle Fähigkeiten, Wissensbestände und Denkmethoden verstanden, die ein Mensch in seinem Leben erwirbt und betätigt. Gleichgültig, wann, wo und wie Kompetenzen erworben werden, fest steht, sie ermöglichen es dem Menschen, sein Leben selbstbestimmt und in Eigenverantwortung zu führen. Mit dem Kompetenzbegriff werden diejenigen Fähigkeiten bezeichnet, die den Menschen sowohl in vertrauten als auch fremdartigen Situationen handlungsfähig machen“ (Weinberg, Johannes. „Kompetenzerwerb in der Erwachsenenbildung.“1996, S. 213).
    • „Kompetenz wird definiert als situationsübergreifende Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit eines sozialen Akteurs (Individuum, Gruppe, Organisation), die sich in einer dem jeweiligen Kontext angemessenen Handlung offenbart.“ (Wilkens, Uta et al. 2006)
    • „Kompetenzen sind nicht beliebige Handlungsfähigkeiten in allen nur denkbaren Lern- und Handlungsgebieten, sondern solche Fähigkeiten und Dispositionen, die ein sinnvolles und fruchtbares Handeln in offenen, komplexen, manchmal auch chaotischen Situationen erlauben, die also ein selbstorganisiertes Handeln unter gedanklicher und gegenständlicher Unsicherheit erlauben.“ (Erpenbeck, John., Rosenstiel, Lutz. v. (Hrsg.): Handbuch Kompetenzmessung. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2003)
  2. Was ist Wissen?
    Wissen ist die Kombination von Daten und Informationen, unter Einbeziehung von Expertenmeinungen, Fähigkeiten und Erfahrung, mit dem Ergebnis einer verbesserten Entscheidungsfindung. Wissen kann explizit und /oder implizit, persönlich und/oder kollektiv sein (Europäische Commission, Directorate 2004: Europäischer Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement). Dabei ist zu berücksichtigen, dass Wissen nicht vermittelt werden kann. Es muss im Gehirn eines jeden Menschen neu geschaffen werden (vgl. Roth 2011).
  3. Was sind Qualifikationen?
    Laut Teichler (1995) sind Qualifikationen handlungszentriert und in der Regel so eindeutig zu fassen, dass sie in Zertifizierungsprozeduren außerhalb der Arbeitsprozesse überprüft werden können.

Wissen im engeren Sinne, Fertigkeiten und Qualifikationen sind somit keine Kompetenzen. Es sind notwendige Voraussetzungen (siehe Abb. 1).

Vom Wissensaufbau zur Kompetenzentwicklung

Abb. 1: Vom Wissensaufbau zur Kompetenzentwicklung
(nach Erpenbeck, John und Sauter, Werner:  So werden wir lernen! Heidelberg: Springer Gabler 2013)

Ich habe die Grafik ganz bewusst gewählt. Denn hier wird sehr deutlich, dass zu den Kompetenzen REGELN, WERTE und NORMEN gehören.

Ein Kompetenzmodell besteht aus Kompetenzen. Sollten Werte dann nicht automatisch enthalten sein?

Im nächsten Beitrag werde ich mich näher mit den Werten befassen, um dann Zusammenhänge von Kompetenzen und Werten herzuleiten.

Was ist Ihre Meinung? Sie sind herzlich dazu eingeladen mir Ihre Anregungen, Kritik oder auch gerne Lob zukommen zu lassen. Leider fehlt hier noch die Möglichkeit einer Kommentarfunktion. Schicken Sie mir eine Mail. Ich werde im nächsten Blogbeitrag darauf eingehen – Versprochen!

Kompetenzen und Werte Teil 2

Kompetenzen und Werte Teil 3

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