Kompetenzen und Werte – Teil 2

Was sind denn nun Werte? Jeder hat eine Vorstellung davon, was Werte sind.
Diese Definitionen des Begriffs habe ich gefunden:

  • „Feste Regel, die jemand zur Richtschnur seines Handelns macht, durch die er sich in seinem Denken und Handeln leiten lässt; Grundsatz“ (Duden)
  • „Allgemeiner Grundsatz, der dem Menschen in seinem Denken und Handeln als Leitbild dient.“ (DWDS)
  • „Grundgedanke, auf den eine Institution, Organisation, ein Projekt, ein Gegenstand aufbaut.“ (Wiktionary)
  • „Werte sind Bezeichnungen dafür, was aus verschiedenen Gründen aus der Wirklichkeit hervorgehoben wird und als wünschenswert und notwendig für den auftritt, der die Wertung vornimmt, sei es ein Individuum, eine Gesellschaftsgruppe oder eine Institution, die einzelne Individuen oder Gruppen repräsentiert.“ (Baran,P.(1990),  S.805)
  • „Werte sind stets das geistig-symbolische Resultat von Wertungsprozessen und damit Wertungsresultate.“ (Gerd Scheizer, Ulrich Müller, Thomas Adam, „Wert und Werte im Bildungsmanagement“, 2010)
  • „Strukturen normativer Erwartungen, die sich im Zuge reflektierter Erfahrung (Tradition, Sozialisation, Entwicklung einer Weltanschauung) herausbilden. Werte strukturieren das Erkennen, Erleben und Wollen, indem sie Orientierungsmaßstäbe für die Bevorzugung von Gegenständen oder Handlungen bilden. Zu unterscheiden sind Werte, die sich aus der Funktion des Bewerteten für einen übergeordneten Zweck ergeben, und Werte, die den Zweck selbst darstellen.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 2010)
  • Oder wie bei Stephan R. Covey in der 8. Weg zu lesen ist: „Die Werte und Prinzipien bilden so etwas wie eine selbstformulierte Verfassung, die sich einer selbst gibt und gegebenenfalls auch selbst ändern kann.“

Damit ist klar, dass alle selbstorganisierten geistigen oder physischen Handlungen Werte voraussetzen – in einer als Emotionen und Motivationen angeeignete Form. Werte beeinflussen unser gesamtes Handeln und Sein. (J. Erpenbeck und B. Brenninkmeijer, Kompetenzmanagement, 2007)

Kompetenzen enthalten immer Werte, Normen und Regeln und sind nicht trennbar!

Im WERDE®System nach Erpenbeck und Brenninkmeijer gibt es 4 Wertegruppen:

  1. Genusswerte, die den Wertenden dazu bringt, Handlungen zu bevorzugen, die ihm – physischen oder geistigen- Genuss verschaffen. Typische Werte sind:
    1. Freude,
    2. Zufriedenheit,
    3. Schönheit, Ästetik,
    4. Fröhlichkeit,
    5. Selbstvertrauen
    6. ….
  2. Nutzenwerte, lassen Handlungen bevorzugen, die Nutzen im weitesten Sinne versprechen:
    1. Besitz,
    2. Materielle Sicherheit,
    3. Bildung,
    4. Klarheit,
    5. Ordnungen,
    6. ………
  3. Ethische Werte, die das Wohl vieler oder aller Menschen ohne Ansehen der Person zum Handlungsanliegen macht:
    1. Demut,
    2. Dankbarkeit,
    3. Ehrlichkeit,
    4. Verständnis,
    5. Bescheidenheit,
    6. ………
  4. Politische Werte, die Einzelne oder Gruppen zu einen der aktuellen Struktur angepassten optimalen Verhalten bewegen:
    1. Anerkennung,
    2. Disziplin,
    3. Gesetzestreue,
    4. Ehrgeiz,
    5. Macht,
    6. ………….

Was bedeutet das für die Kombination von Werten und Kompetenzen?

Jede Kompetenzart kann jede der 4 Wertegruppen enthalten!

Kompetenzarten

Wertarten

Typische Vertreter

Werte

Personale Kompetenzen

Genusswerte

Der Genießer

  • Genuss als Selbstzweck
  • Ästhetik als Genuss

Nutzenswerte

Der Könner

  • Bildung als Ausdruck von Persönlichkeit
  • Freiraum als Voraussetzung für Selbstentfaltung

Ethische Werte

Der Gütige

  • Ein wertvoller Mensch sein
  • Menschlichkeit muss gewährleistet sein

Politische Werte

Der Charismatiker

  • Politik lebt von Persönlichkeit
  • Menschen brauchen persönliche Vorbilder

Aktivitäts-bezogene Kompetenzen

Genusswerte

Der Sportler

  • Dynamik als Ästhetik
  • Fitness macht Spaß

Nutzenswerte

Der Unternehmner

  • Ziele zum Handeln, Geld als Mittel zum Zweck
  • Handlungsfreiheit als Gestaltungsfreiheit

Ethische Werte

Der Weltverbesserer

  • Nicht Mitleid, sondern tätige Hilfe
  • Anderen in Not helfen

Politische Werte

Der Macher

  • Politik ist aktive Verteilung von Macht
  • Macht braucht Macher

Fachlich-methodische Kompetenzen

Genusswerte

Der Denker

  • Spass an Lösungen
  • Ästhetik der Formeln

Nutzenswerte

Der Erfinder

  • Wissensquellen als Fortschrittsquellen
  • Allein die Fakten zählen

Ethische Werte

Der Prediger

  • Wissen sollte wertfrei bleiben
  • Wunsch nach Wahrheit als wichtigste Orientierung

Politische Werte

Der Berater

  • Wissen ist Macht
  • Politik der kleinen, durchdachten Schritte

Sozial-kommunikative Kompetenzen

Genusswerte

Der Beliebte

  • Genuss des Miteinander
  • Freude am Feier

Nutzenswerte

Der Organisator

  • Verbindung durch Kommunikationsmittel
  • Möglichkeiten sachlich offener Kommunikation

Ethische Werte

Der Hingebungsvolle

  • Ehrfurcht vor jedem Leben und jeder Meinung
  • Ein erfülltes Leben

Politische Werte

Der Kommunikator

  • Gleichheit vor Freiheit
  • Politik muss moralisch sein

Selbst wenn Menschen die gleichen Kompetenzen haben, führen doch die zu Grunde liegenden unterschiedlichen Wertevorstellungen zu jeder Menge Konfliktpotential. Das ist insbesondere wichtig, wenn man eine Kompetenzdiagnostik z. B. beim Rekruiting zu Hilfe nimmt.

Schauen Sie nicht nur darauf, ob die Skills und Kompetenzen passen – die Werte müssen auch übereinstimmen!

Im nächsten Teil zeige ich, wie wir Kompetenzen und Werte in unserem Kompetenzmodell verankern können. (Der Beitrag sollte nicht so lange auf sich warten lassen.)

Wird in Ihrem Unternehmen auf Werte geachten? Nutzen Sie beim Rekruting Methoden zur Kompetenz- und Wertemessung der Kandidaten? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Sie sind herzlich dazu eingeladen mir Ihre Anregungen, Kritik oder auch gerne Lob zukommen zu lassen.

Kompetenzen und Werte Teil 1

Kompetenzen und Werte Teil 3

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