Take!Off! Jahresendgespräche sind unnötig?

5 Anlässe, zu denen ein gut geführtes Mitarbeitergespräch wahre Wunder bewirkt!

Erst vor kurzem, Ende des Jahres 2015 stand es in der Wirtschaftswoche schwarz auf weiß: „Warum Jahresendgespräche überflüssig sind“.
Das Magazin lieferte auch gleich ein paar einleuchtende Beispiele, wie „Der Chef veranstaltet entweder nur einen rituellen Kaffeeklatsch. Oder er rechnet den Mitarbeitern vor, was sie alles falsch gemacht haben,…“ „Vorgesetzte urteilen von oben herab“, „Mitarbeitergespräche werden nur geführt, weil die Personalabteilung das möchte“ und „niemand hat Lust darauf“ oder „sie sind reine Zeitverschwendung“.
Ist das wirklich so? Meiner Ansicht nach, ist diese Ohrfeige für Mitarbeitergespräche zu kurz gedacht. Wenn wir an alle Dinge, die unangenehme Folgen haben können oder schlecht gemacht werden, so herangehen würden, dann müssten wir auch gleich das Autofahren abschaffen?! Einfach, weil es viel zu viele schlechte Autofahrer gibt. Zu viele Unfälle, Verletzte und Tote!

Aber nein, das machen wir aus vielen guten Gründen natürlich nicht!

Der Hinweis, dass große Unternehmen wie Microsoft, Adobe oder Accenture sich von dem Instrument „Mitarbeitergespräch“ verabschiedet haben, stimmt so nicht. Dort wird es auch weiterhin Mitarbeitergespräche und Jahresendgespräche geben, allerdings in einer anderen Form. Pierre Nanteme, CEO von Accenture: „Auf sämtliche Vergleiche mit Kollegen verzichten wir zukünftig.“ Dies bedeutet, das die 20-70-10-Regel (die besten 20% der Mitarbeiter erhalten einen Bonus, die mittleren 70% werden gefördert und die 10% Performanceschwächsten sollen entlassen werden), kreiert von Jack Welche, nicht mehr angewandt wird. Diese hat sich meines Wissens in Deutschland auch nie durchgesetzt.

Wann also ist ein Mitarbeitergespräch aber wirklich sinnvoll? Sie sollten immer dann ein Mitarbeitergespräch führen, wenn Sie, ob Mitarbeiter oder Führungskräfte der Meinung sind, das es notwendig ist.
Feedback zur aktuellen Situation ist ebenso wichtig, wie die Abstimmung der Ziele oder was man gemeinsam aus gemachten Fehlern lernen kann.

Sich nur einmal im Jahr mit Ihren Mitarbeitern zum Jahresendgespräch hinzusetzen, ist zu wenig!

Bei diesen fünf Anlässen kann ein gut geführtes Mitarbeitergespräch wahre Wunder bewirken:
1) Akute Themen
2) Laufbahn- oder Karriereplanung
3) Entwicklungsplanung
4) Zielvereinbarung
5) Zielerreichung

Am Ende des Wirtschaftswoche-Artikels kommt dann doch auch heraus, dass Mitarbeitergespräche sinnvoll sind. Wenn diese richtig durchgeführt und zum richtigen Zeitpunkt stattfinden.

Fakt ist: Eingebettet in ein Gesamtkonzept, unterstützen gut durchgeführte Mitarbeitergespräche Ihre Mitarbeiter bei ihren Herausforderungen und in ihren Entwicklungsmöglichkeiten und dokumentieren die dazu notwendigen Maßnahmen und Ziele. Mitarbeitergespräche sind also durchaus sinnvoll. Und zwar nicht nur, wenn Prämienzahlungen damit verbunden sind (schon aus rein juristischen Gründen) sondern auch, da viele Ziele nur mit der Unterstützung durch die Unternehmensleitung und die Führungskräfte erreichbar sind.

Und jetzt bin ich gespannt: Warum halten Sie Jahresendgespräche bzw. Mitarbeitergespräche für sinnvoll und welche Ziele verbinden Sie damit?

Ich freue mich über Ihre Kommentare unter diesem Blog-Beitrag und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und Spaß, Ihr
Franz-Peter Staudt


Hier finden Sie weitere Blogbeiträgen zu dem Thema: Mitarbeitergespräche

Teil 2 – Take!Off! Themen für ein Mitarbeitergespräch. 5 Themen, die Anlass für ein Mitarbeitergespräch sein sollten.
Teil 3 – Take!Off! Wie Sie mit Mitarbeitergesprächen Ihre Mitarbeiter motivieren und Ihre Unternehmensziele erreichen
Teil 4 – Take!Off! Eine der wichtigsten Aufgaben einer Führungskraft – Tipps für gute Mitarbeitergespräche.

2 Comments

  • Hallo Herr Staudt,
    stimme voll zu. Ich finde Mitarbeiter-/Jahresgespräche wichtig, denn als „institutionalisiertes“ Gespräch bringen Sie beide Seiten gezielt aus dem Tagesgeschäft heraus. Auch wenn in Formularen nach Schema-F dokumentiert und das Gespräch protokolliert wird, heißt dies ja noch lange nicht, dass es nur eine Abrechnung des Chefs oder das Aufbrummen noch höherer Zielvorgaben für das nächste Jahr ist. Als Gespräch auf Augenhöhe haben beide Seiten die Chance, eigene Themen und ihr Feedback einzubringen. Das erfordert natürlich eine gute Vorbereitung. Ohne die „Gewohnheit“ Jahresgespräch befürchte ich, dass ein Großteil der Angestellten mit ihrem Chef über Jahre hinweg nicht über die nächsten Karriere-Schritte, gewünschte Weiterbildungen, eine Verbesserung der Zusammenarbeit oder eine Gehaltserhöhung sprechen. Auch wenn Feedback Anlass bezogen immer besser ist, im Tagesgeschäft fällt dies leider viel zu häufig unter den Tisch.
    Viele Grüße, Bernd Slaghuis

    • Hallo Herr Slaghuis,
      vielen Dank für Ihr Feedback.
      Das Jahresgespräch hat einen schlechten Ruf, da es in vielen Fällen eben nur nach Schema-F durchgeführt und zum Ziel hat, die Vorgaben der Personalabteilung zu erfüllen. Was wäre zu tun, damit diese Gespräche auch wirklich sinnvoll und auf Augenhöhe durchgeführt werden? Wäre eine Bewertung des Gespräches durch die Mitarbeiter (anonym) sinnvoll, um die Führungskraft aufgrund der Ergebnisse gezielt entwickeln zu können? Wären innerbetriebliche Communities of Practice hilfreich, in welche sich die Führungskräfte austauschen und gegenseitig unterstützen können (kollegiale Beratung)? Ein mehr der üblichen Schulungen hat scheinbar nicht viel verändert.
      Herzliche Grüße, Ihr
      Franz-Peter Staudt

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