Take!Off! Brexit im Unternehmen?

Mitarbeitende wählen den Brexit im Unternehmen!

Das britische Volk hat entschieden. Sie stehen nicht mehr hinter der EU. 51,9 % wollen die EU verlassen.

Die Mitarbeiter haben entschieden. Sie fühlen sich emotional nicht an ihr Unternehmen gebunden. 70 % machen Dienst nach Vorschrift und 15 % haben innerlich schon gekündigt.[1] Nur 24 % der Mitarbeitenden sind von den Führungsqualitäten ihrer Vorgesetzten überzeugt.[2]

Sind diese Ergebnisse überraschend?

Nein! Wenn man weiß, warum Menschen sich engagieren.

Antoine de Saint-Exupery hat es sehr schön beschrieben: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Mitarbeitende wählen den Brexit im Unternehmen!

Komplexe Herausforderungen bedürfen gemeinsamer Werte!

Genau das fehlt in einer Zeit, in der es nicht mehr nur um komplizierte, sondern um komplexe Fragestellungen geht und niemand vorhersagen kann, was passieren wird. Jeder der also behauptet heute vorhersagen zu können, was im nächsten halben Jahr oder gar in einen Jahr passieren wird, handelt fahrlässig oder lügt bewusst.

Sowohl im Unternehmen „Europäische Union“ wie auch in vielen Organisationen fehlen die Visionen und die gemeinsamen Werte. Rein wirtschaftliche oder gar rationale Gründe überzeugen niemanden. Wie Prof. Gerhard Roth (2008) feststellt: „Kognitive Informationsverarbeitung findet auf „Ebenen“ des Gehirns statt, die nicht direkt etwas mit Gefühlen und Absichten zu tun haben. Gefühle und Absichten werden nur in Handeln umgesetzt, wenn zwischen bewussten Motiven auch unbewusste Motive … .angesprochen werden.“ Das beobachte ich auch bei der Kompetenzentwicklung. Denn ohne die „emotionale Labilisierung“ [3] findet keine Kompetenzentwicklung und damit auch keine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten statt.

Wie ich schon in meinem Essential „Strategisches Kompetenzmanagement 2.0“ beschrieben habe, ist eine der wesentlichen Herausforderungen für ein erfolgreiches Unternehmen, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Diese Rahmenbedingungen sind nicht ein mehr an Regeln und Vorschriften, sondern im Gegenteil weniger Vorschriften und ein mehr an gemeinsamen Werte, die ein gemeinsames Handeln in komplexen Fragestellungen ermöglichen. Dies gilt auch für die EU oder nationale Regierungen.

Werte ersetzen fehlende Kenntnisse. Sie ermöglichen Handeln in komplexen, offenen, nicht vorhersehbaren Situationen, ohne das sämtliche Informationen vorliegen.

Menschen „Unternehmen“ etwas, wenn sie gemeinsame Visionen und Werte haben.

Wie in allen gesellschaftlichen Organisationen, muss auch in einem Unternehmen ALLEN Menschen klar sein welche Vision und Ziele es gibt. Nach welchen Werten und innerhalb welcher Rahmenbedingungen etwas gemeinsam unternommen werden soll. Erst dann können Menschen in Organisationen und in der Gesellschaft kollaborativ erfolgreich sein.

Der Einfluss von Werten auf den Unternehmenserfolg ist hinreichend nicht nur in der Theorie und in Umfragen belegt, sondern kennt jeder, der in einem Unternehmen oder in offenen Netzwerken arbeitet. Es ist nicht die offizielle Unternehmenskultur, Werte auf Hochglanzbroschüren. Es sind die Werte, die jeden Tag gelebt werden. Offiziell, auch in Stellenausschreibungen wird Teamarbeit und wertschätzende Zusammenarbeit gefordert, gelebt und honoriert wird dann das Gegenteil. Viele Führungskräfte jammern über die Mitarbeitenden und Unternehmen beklagen den Fachkräftemangel.

In Abwandlung eines Zitates von Joseph Comte de Maistre „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient…“, fällt mir dazu ein: „Jedes Unternehmen bekommt die Führungskräfte und Mitarbeiter, die es verdient!

Kompetenzen ohne Werte sind wertlos!

Sowohl bei der Entscheidung über den „Brexit“, als auch bei Entscheidungen im Unternehmen spielen Kompetenzen eine entscheidende Rolle. Vielen Unternehmen haben das mittlerweile erkannt und entsprechende Maßnahmen, vom Recruiting bis zur Aus- und Weiterbildung, eingeleitet. „Kompetenzen sind die Fähigkeiten, Problemstellungen jederzeit und überall selbstorganisiert lösen zu können.“[4]

Wesentliche Bestandteile von Kompetenzen sind Wissen und Fertigkeiten im engeren Sinne, Qualifikationen und Wertkerne, die sich aus Normen, Werten und Regeln zusammensetzen.[5] Damit ist klar, ohne Werte gibt es auch keine Kompetenzen.

Wenn Sie das nächste Mal den „Brexit im Unternehmen“ in der Mitarbeiterbefragung erkennen, liegt die Ursache darin, dass die gemeinsamen Visionen, Ziele und Werte in der Praxis nicht vorhanden oder nicht gelebt werden. Ob in Fragen der Führung oder der Zusammenarbeit, der offenen Kommunikation oder des wertschätzenden Umgangs.

Wenn wieder einmal neue Prozesse oder Methoden eingeführt werden sollen, fragen Sie insbesondere auch danach, wie diese mit den Werten in Ihrem Unternehmen übereinstimmen. Oder machen die gelebten Werte die Veränderungen gar unmöglich. Kompetenzentwicklung funktioniert nicht durch „Command and Control“.

 

Bildquelle: picjumbo by Victor Hanacek

[1] Gallup Studie 2015

[2] Ketchum Leadership Communication Monitor 2015

[3] Arnold R., Erpenbeck, J.,(2014) Wissen ist keine Kompetenz, Schneider Verlag Hohengehren

[4] Erpenbeck, J., at al

[5] Erpenbeck, J., Sauter, W. (2007)

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