9 und mehr Anforderungen an den Arbeitsplatz 2019

Human Centered Workplace ist mehr als Technik – aber ohne ist er nichts

Die digitalen Herausforderungen beginnen am Arbeitsplatz und den organisatorischen Rahmenbedingungen der Mitarbeitenden. Weltweit stehen Unternehmen vor den Herausforderungen, sich schnell an die Bedürfnisse ihrer Fach- und Führungskräfte und ihrer Kunden anzupassen. Während eine einfache Lösung darin besteht, die aktuelle Technik zu verbessern, stellen Unternehmerpersönlichkeiten schnell fest, dass dies auf lange Sicht nicht nachhaltig ist. Die Lösung ist die Einführung einer digitalen Transformationsstrategie, die wiederum eine direkte Bedrohung für traditionelle Geschäftsmodelle und das bisherige Unternehmen darstellt.

Technologien wie Social Media, mobile Anwendungen, KI, die Cloud und das Internet der Dinge (IoT) sind Voraussetzungen für den technologischen Wandel. Sie sind aber nicht die Basis für eine digitale Transformation. Sie helfen, den Unternehmen sich schnell als „Digital“ zu vermarkten und somit Fachkräfte und Kunden zu gewinnen und zu binden. Aber reicht das aus?

Nach meinen Erfahrungen und vielen gescheiterten Projekten zur digitalen Transformation nicht!

Es muss weit über den Technologiewechsel hinausgehen. Es geht um Purpose! Um Sinn, Absicht und Werte. Es geht um Mitarbeitende im Unternehmen, Kunden, generell um Menschen. Deren Bedarf und Bedürfnisse.

Nach vielen Gesprächen mit Expert*innen, Geschäftsführenden und Führungskräften aus unterschiedlichen Branchen sollten Organisationen sich auf folgende Punkte konzentrieren, um einen sinnvollen und nachhaltigen Wandel einzuleiten:

Human Centered Workplace ist mehr als Technik!
Sinn und Zweck, Prinzipien und Werte und
die Bedürfnisse der Menschen stehen im Fokus!

1. HR und IT als gemeinsame Digitale Enabler

Wenn Organisationen neue, digitale Geschäftsmodelle erarbeiten und sich digital transformieren sollen, braucht es entsprechende Kompetenzen. Fachliche und methodische Kompetenzen aus der IT, soziale und Entwicklungskompetenzen aus HR. So unterstützen die technischen Möglichkeiten die Mitarbeitenden bei Routinetätigkeiten, der individuellen Weiterbildung und als Grundlage für digitale Geschäftsprozesse. Die notwendigen Rahmenbedingungen der Führung, der Organisationsentwicklung und der Entwicklung von Fertigkeiten und Fähigkeiten ermöglichen letztendlich eine digitale Transformation.

2. Competence Networks oder CN<=CN*(CN)

Unternehmen müssen schnell auf Veränderungen reagieren, ohne sie lange planen zu können. Es reicht nicht aus, ein CRM oder ERP zu optimieren. Es müssen alle Stakeholder der Businessprozesse einbezogen werden, sich austauschen und gemeinsam an Lösungen in einem Competence Network zu arbeiten. Das betrifft insbesondere die Integration von Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und anderen Stakeholdern. Ein HCW (Human Centered Workplace) stellt die Bedürfnisse der Menschen in den Wertschöpfungsprozessen in den Vordergrund und kann so schnell und zielgerichtet Lösungen anbieten. Wie Winfried Felser in seinem Beitrag „From the Global Drucker Forum and „Management. The human dimension“​ to new (meta)theories for ecosytems and eveything else” schreibt: “Menschen mit ihren Kompetenzen oder Potenzialen (C: Kompetenzen) kommen zusammen und werden planmäßig oder durch Zufall, durch Push oder Pull verbunden….. (CN: Kompetenznetze), arbeiten sie zusammen und die Entstehung ihrer Zusammenarbeit (CN(): Competence Networking) verändert sich selbst (Selbstbezug / Selbstschöpfung, Autopoiesis) und den Rest der Welt 😉 Diese CN <= CN*(CN) ist eine generische Formel für die Schaffung und das Management in einer Welt der kollaborativen Kognition / kognitiven Zusammenarbeit oder verbundener Kompetenzen.“

In Kompetenznetzwerken kommen Menschen
zusammen, um gemeinsam Neues zu erschaffen
und verändern damit alles!
CN<=CN*(CN) - Winfried Felser

3. Quantifizierung und Qualifizierung der Mitarbeiterentwicklung

Grundlegende Veränderungen stellen Organisationen und Mitarbeitende vor neue Herausforderungen. Heute reicht es nicht mehr aus, den Fokus auf Talente oder Führungskräfte zu legen. Es bedarf neuer Arten von Entwicklungsmöglichkeiten, bei der die Qualität und Quantität der Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeitenden und der gesamten Organisation wirksam gemessen werden. Ohne eine ausreichende Menge von kompetenten Mitarbeitenden werden Veränderungen kaum möglich sein. Der Human Centered Workplace hilft bei der Bedarfsanalyse und der Entwicklung der notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten.

4. Datenauthentizität

Aufgrund der Masse von Daten, die uns jeden Tag erreichen, ist es nicht möglich, alles zu überprüfen. Von wem stammen die Informationen? Entsprechen sie den Fakten oder sind sie Wunschvorstellungen, Fiktion oder bewusste Falschmeldungen. Das betrifft alle Mitarbeitende in einer Organisation. Daher ist es wichtig, die Informationen auf ihre Authentizität zu prüfen, ohne diese zu manipulieren oder die Informationsfreiheit einzugrenzen. Denn ohne den freien Austausch von Informationen zwischen allen Stakeholdern sind Kooperationen und schnelles Kundenfeedback zwar möglich, aber nicht nutzbringend (effektiv). Innovationen werden erschwert. Hier können Expert*innen helfen, die Informationen kuratiert im SPOT (single point of truth), dem Human Centered Workplace, zur Verfügung stellen.

5. Just in time und kontextbezogen

Wir ertrinken förmlich an der Flut von Informationen. Die Zeit, welche man vor 20 Jahren aufwendete, um an Informationen zu gelangen, benötigen wir heute, um die richtigen herauszufiltern. Daher müssen wir uns überlegen, wie wir den Mitarbeitenden die Informationen, die sie zur Erfüllung ihrer Arbeit benötigen, in der richtigen Form und zur richtigen Zeit zur Verfügung stellen. Machen Sie sich Gedanken über Workplace Support, der kontextbezogenen Unterstützung am Arbeitsprozess. Das erhöht die Produktivität. Und die effizientere Nutzung der Zeit. Besser können Mitarbeitende nicht motiviert werden.

Ein Human Centered Workplace benötigt
agile Design- und Entwicklungsmethoden,
mit dem Fokus auf den Bedürfnissen der Menschen!

6. Künstliche Intelligenz

In allen Bereichen und unterschiedlichen Formen wird KI Einzug halten. Als Unterstützung bei der Produktentwicklung oder der Aus- und Weiterbildung. Sie wird unsere Prozesse verändern und die Möglichkeiten der Kommunikation und Kooperation revolutionieren. Sie hilft schneller Probleme zu erkennen, Akzeptanz und Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Durch die Zusammenführung von Arbeitsprozess und Entwicklung der Mitarbeitenden im Human Centered Workplace, können Assistenzsysteme bestmöglich unterstützen. Dazu ist der Beitrag von Thomas Jenewein „Der Einfluss von Machine Learning & Künstlicher Intelligenz auf Arbeiten & Lernen im Unternehmen“ lesenswert.

7. Sprachsteuerung

Sprachsteuerung wird uns bei der Suche nach Informationen und der Bedienung von Assistenzsystemen oder Robotern, unterstützen. Das hilft in vielen Bereichen, schneller zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen. Setzt aber voraus, dass wir die Software darauf anpassen müssen. Neben Implementierung von Sprachsoftware müssen wir uns auch auf „Longtail-Abfragen“ vorbereiten.

8. Alle Mitarbeitende einbeziehen

In vielen Bereichen haben Mitarbeitenden keinen Zugang zu digitalen Informationen oder Systemen. Sie sind aber wichtig für die Lösung der internen und externen Herausforderungen. Häufig stehen sie im direkten Kontakt zu den Kunden, wie im Service, der Technik, der Kundenberatung im Einzelhandel, der Pflege usw. Wenn die digitale Transformation gelingen soll, müssen sie ebenso einbezogen werden, wie die Mitarbeitenden am digitalen Arbeitsplatz.

9. Datensicherheit und DSGV

Auch wenn dieser Punkt am Ende der Aufzählung steht, ist er doch sehr wichtig. Nein, nicht da es gesetzliche Vorschriften gibt und hohe Strafen bei Nichtbeachtung. Es geht um die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden und Kunden und ihren Daten. In allen Prozessen müssen wir uns überlegen, welche Daten wir wirklich benötigen und zu welchem Zweck. Big Data bedeutet sich vorher zu überlegen, welche Fragen man beantworten möchte und nicht, alles zu sammeln, was man an Daten bekommt. Die Nutzung von cloudbasierten Plattformen wird sich verstärken und damit auch die Risiken beim Austausch von Daten. Das Vertrauen zu den Kunden können wir nur nachhaltig aufbauen, wenn wir Systeme nutzen, welche den Datenschutz und deren Sicherheit gewährleisten.

9 + X?

Sind diese Punkte umfassend und allgemeingültig. Mit Sicherheit nicht!
Was fehlt?

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Jedes Unternehmen steht vor eignen Herausforderungen. Besonderheiten der Märkte, Anforderungen der Kunden, Geschwindigkeit der Veränderungen, eigene Historie und Werten, der Organisation und und und.

Daher halte ich auch nichts davon, Best Practice einfach zu übernehmen oder der nächsten Modewelle hinterherzurennen. Diese Aufzählung sollte auf Punkte aufmerksam machen, an die Sie evtl. noch nicht dachten.

Schauen Sie auf Ihr Unternehmen, Ihre Kunden und Märkte, Ihre Mitarbeitenden. Überlegen Sie mit Ihren Fach- und Führungskräften, was geeignet und wirksam sein kann. Nutzen Sie Expert*innen, zur Unterstützung und neue Perspektiven einzunehmen. Aus meiner Erfahrung hilft immer, den eigenen Verstand und Erfahrungen zu nutzen.

Welche Herausforderungen sehen Sie im neuen Jahr? Auf welche Punkte achten Sie und warum? Das würde mich und bestimmt alle anderen Leser sehr interessieren. Denkanstöße kann jeder geben und sind der Motor von Innovationen.

Nehmen Sie Kontakt mit mir auf, wenn Sie die Performance Ihre Mitarbeitenden nachhaltig steigern und Veränderungen kundenzentriert realisieren können. Ein Tipp: Abwarten und Teetrinken hilft nicht!

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